|
Nun ist sie endlich da!
Die Rede ist von der HKS-Palette in CorelDraw.
Von vielen Anwendern sehnlichst gewünscht, hat Corel Corp. nun endlich nach 9
Versionsprüngen die in Deutschland verbreitete Farbpalette nach dem HKS-System
in das Programmpaket integriert. Und was für eine Palette! Konnte man in dem
papiernen Farbfächer nur unter 86 Volltönen wählen, so besteht die digitale
Auswahl der Corelschen HKS-Palette aus 3440 Volltönen. Das ist kein
Druck-/Satz-Fehler: 3440. Zusätzlich zu diesen vielen Volltönen besteht noch
die Möglichkeit, den Tönungsregler in 101 Stufen (0-100%) zu verändern, so
dass zu den 3440 Volltönen noch 344.000 (!) Abtönungen dazukommen (Abb. 1
zeigt Ausschnitt).
Der Grund: Jeder ausgewählte Palettenfarbton
wird in der Datei als eigenständige Farbe behandelt. Überzeugen Sie sich
selbst:
Zeichnen Sie 3 beliebige Objekte und füllen
diese mit drei Farben aus der HKS-Palette, z.B. HKS 14 10%, HKS 14 50% und HKS
14 80%. Gehen Sie zum Druckdialog, aktivieren Auszüge (Schmuckfarben nicht
in CMYK umwandeln) und schauen sich in der Druckvorschau die einzelnen
Farbauszüge an: Für jede (!) gewählte Farbe gibt es einen Auszug. Unsere
gewählten Farben werden fein säuberlich getrennt. Der tiefere Sinn dieser
Aufteilung blieb dem Autor bisher verborgen.
Die Farbwerte in der 9er Version von CorelDraw
sind im Übrigen nicht kompatibel mit den "offiziellen"
HKS-CMYK-Farbwerten: Kein Wert stimmt überein. In der 10er Version ist dieser
Fehler verbessert aber nicht bei allen Farben behoben worden. Die Abbildungen 2
und 3 zeigen einen Ausschnitt aus einer Testdatei mit unterschiedlichen
CMYK-Werten für die gleichen HKS-Schmuckfarben. Auch in der Version 10 gibt es
noch eine Reihe von abweichenden CMYK-Werten gegenüber der
"offiziellen" Farbpalette (in Abb. 3 mit (!) im jeweiligen Farbfeld
gekennzeichnet).
 
Die Handhabung einer derart langen Palette ist
sehr mühselig (und fehlerträchtig), so dass zu empfehlen ist, die 86
wirklichen Schmuckfarben aus der Corel-HKS-Palette zu extrahieren und in eine
eigene neue HKS-Palette zu kopieren (Abb. 4).
Nun könnte man natürlich auch auf die Idee
kommen, eine völlig neue Userinks-Palette mit eigenen Schmuckfarbe zu kreieren,
aber hier gibt es unüberwindbare Schwierigkeiten: CorelDraw verwaltet die
Farbpaletten offenbar nur programmintern und nicht jobintern.
D.h., hat man eine eigene Schmuckfarbe definiert, wendet sie im Coreljob an und
gibt diese Datei an einen anderen Rechner weiter, so ist die Schmuckfarbe zwar
nicht verschwunden, aber die Farbwerte sind in der Regel nicht zu gebrauchen,
von einer Umwandlung der Schmuckfarbe in die entsprechenden CMYK-Äquivalente
ganz zu schweigen.
Die Userinks-Palette ist offenbar nur dazu da,
aus vorhandenen festen Paletten (z.B. Pantone, HKS) eine eigene Palette
zusammenzustellen. Die Neuerstellung eigener Schmuckfarben ist somit nicht
möglich. - Zwar ist es dem Autor gelungen, eine neue Schmuckfarben-Palette zu
erstellen (Abb. 5), aber schon beim ersten Test zeigten sich Schwierigkeiten
(Abb. 6): Schmuckfarbe HKS 22, wo ist der Name - nur noch die 4C-Werte! Bei der
Separation (Abb. 7) das gleiche Bild. Alle Versuche, eine "echte"
Schmuckfarbenpalette unter CorelDraw10 zu erzeugen, hatten keinen Erfolg.


Fazit: So muss man leider entweder bei der
Corel-HKS-Palette bleiben, oder, so wie es bisher üblich war, eine ähnliche
Pantone-Farbe für eine HKS-Schmuckfarbe wählen.

Testdateien und Vergleichstabellen zu den
HKS-Paletten stehen HIER zum Download bereit.
P.S.
Das jetzt erhältliche ServicePack 1 für CorelDraw10 hat in Sachen HKS-Farben
KEINE Verbesserungen gebracht
(Web-Fassung des Artikels in
LAYOUT, Veda-Verlag, 31.07.2001/wo)
 |